2 Herausforderungen für die Planungs- und Baubranche

Die Herausforderungen für die Bauwelt sind in allen Bereichen der Nachhaltigkeit vielschichtig und erfordern neue Lösungen.

a) Gesellschaft

Im Bereich der Gesellschaft erfordern der demografische Wandel sowie die sich stetig ändernden Familien- und Wohnformen neue Grundrisslösungen. Eine gute Wohnung zeichnet sich aber weit mehr als durch einen intelligenten Grundriss aus. Der Mensch verbringt die meiste Zeit in Innenräumen und deshalb ist ein gesundes Innenraumklima eine Grundvoraussetzung.

Die steigende Wohlfahrt hatte in den vergangenen Jahren eine deutliche Auswirkung auf einen wachsenden Pro-Kopf-Konsum von Wohnfläche und längeren Pendlerdistanzen zur Folge. Zunehmende Pendlerdistanzen, der vielfach geäusserte Wunsch nach einem Eigenheim im Grünen und der stete Bevölkerungsanstieg machen deutlich, dass die gesellschaftlichen Aspekte auch die Thematik der Raumplanung betreffen. Neben dem Landverbrauch für den zusätzlichen Wohnraum sind die sich erhöhenden Aufwendungen für die Erstellung und den Betrieb der Infrastrukturbauten zu thematisieren. Ob sich die zukünftigen Generationen das heutige Bauwerk Schweiz leisten können, ist offen.

b) Wirtschaft/Ökonomie

Für den Eigentümer einer Liegenschaft ist diese im wirtschaftlichen Sinne erst dann nachhaltig, wenn durch den Ertrag nicht nur die Erstellungskosten gedeckt werden können, sondern auch die Aufwendungen für den Betrieb und die Erneuerung. Standen bis vor wenigen Jahren die Erstellungskosten im Fokus, werden heute von professionellen Investoren die Kosten über die gesamte Lebensdauer in die Projektentscheide miteinbezogen. Man spricht dabei von einer Lebenszykluskostenbetrachtung. Was zu Beginn als eine teure Lösung betrachtet wird, kann über die gesamte Lebensdauer gesehen zu einer sehr wirtschaftlichen Lösung werden. Die Trennung von Tragstruktur, Gebäudetechnik und Ausbau in einzelne Systeme ist einer der Aspekte, die bei der Reduktion der Lebenszykluskosten hilft. Ausbau, Gebäudetechnik und Tragstruktur weisen unterschiedliche Lebens- und Nutzungsdauern auf. Eine Trennung in Primär-, Sekundär- und Tertiärstruktur ermöglicht Anpassungen und Erneuerungen des einzelnen Systems ohne einen erheblichen Eingriff mit Kostenfolgen in die anderen, nicht davon betroffenen Systeme.

Neben der Betreibersicht werden auch die regional-ökonomischen Faktoren sowie die externen Kosten berücksichtigt. Die Erstellung und der Betrieb eines Gebäudes können je nach Grösse, Lage und Organisationsform einen wesentlichen positiven oder negativen Einfluss auf die Regionalökonomie haben. Externe Effekte wie Luft- und Wasserverschmutzung, Sondermüll und Lärm werden durch die Ersteller und Nutzer eines Gebäudes ausgelöst und verursachen Kosten. Bezahlt werden diese aber durch die Allgemeinheit. Aus volkswirtschaftlicher Sicht macht es Sinn, dass diese durch die Verursacher bezahlt werden.

c) Umwelt

Der Klimawandel und seine Folgen für Mensch und Umwelt sind in den kommenden Jahrzehnten eine besondere Herausforderung. Um die Auswirkungen bewältigen zu können, darf der heutige weltweite CO2-Ausstoss nicht mehr ansteigen. Im Wissen, dass der Wohlstand in Asien sowie der südlichen Hemisphäre ansteigen wird, sind zusätzliche Anstrengungen nötig. Das Konzept der 2000-Watt- respektive der 1to-CO2-Gesellschaft bietet dafür einen Weg an. Das bedeutet aber auch, dass in Mitteleuropa der heutige Konsum von über 6000-Watt-Dauerleistungen pro Kopf um mehr als den Faktor drei bis ins Jahr 2150 reduziert werden muss. Der beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft ist für die Schweiz und Deutschland eine zusätzliche Herausforderung. Mit der Energiestrategie 2150 hat der Bundesrat den Weg dazu anskizziert.

Zusammen mit der Betriebsenergie, der Energie für die Erstellung (Graue Energie) sowie die durch die Gebäude induzierte Mobilität ist der Gebäudepark in der Schweiz für rund die Hälfte des gesamten Primärenergieverbrauchs verantwortlich. Damit liegt bei der Planungs- und Bauindustrie eine besondere Verantwortung zur Reduktion des Energieverbrauches und dem Einsatz erneuerbarer Energieträger.

Neben der Thematik Energie sind auch die Punkte Biodiversität und der sorgsame Umgang mit Ressourcen Fragestellungen, die mit der nötigen Sorgfalt durch die am Bau Beteiligten zu bearbeiten sind.


Bereiche und Kriterien Nachhaltigkeit

Bereiche, Themen und Kriterien der Nachhaltigkeit gegliedert nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS). (Grafik: aardeplan [Quelle: SNBS], 2014)


Der Blick auf das einzelne Gebäude reicht heute nicht mehr aus. Um eine wirklich nachhaltige Entwicklung auszulösen, ist der Blick zu öffnen und sind auch Ansätze auf Stufe Quartier, Gemeinde und Region zu entwickeln.

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