4 Fertigstellungsgrad (LOD)

Der Fertigstellungsgrad definiert den notwendigen Informationsgehalt und Detaillierungsgrad der virtuellen Gebäudemodelle. Der Fertigstellungsgrad wird auch als Level of Detail, Level of Definition oder Level of Development bezeichnet (LOD). Er ist abhängig von der jeweiligen Disziplin und Leistungsphase. Innerhalb einer Leistungsphase kann der Fertigstellungsgrad zwischen den einzelnen Disziplinen divergieren.

  • LOD 100: Konzeptionelle Darstellung von Volumen und Flächen (z.B. GF, HNF).
  • LOD 200: Generische (allgemein gültige) Darstellung von Gebäudeteilen: Wände, Decken, Treppen (z.B. Aussenwand zweischalig, Fluchttreppe).
  • LOD 300: Darstellung mit exakten Abmessungen, Materialien und Positionierung (z.B. Wand in Beton mit AWD).
  • LOD 400: Produktespezifische Darstellung (z.B. Betonwand Typ 4-1, NPK A, 40 kg/m3, Steinwolle 60 kg/m3, Lambda 0.034 W/mK).
  • LOD 500: As-built-Modell (Informationsgehalt geeignet für die Bewirtschaftung).
Beispiel Fertigstellungsgrad (LOD) eines Raumes und seiner Modellelemente

Beispiel Fertigstellungsgrad (LOD) eines Raumes und seiner Modellelemente (Bilder: aardeplan, 2014)

Bei der Festlegung des Informationsgehalts sind folgende zwei Punkte besonders zu beachten:

  1. Der Umfang der Informationen muss phasen- und adressatengerecht sein.
  2. Informationen, die der Adressat aufgrund seines Wissens und seiner Kompetenz präziser kennt und definieren kann als der Absender, sollen von ihm eingearbeitet werden.

In der Realität zeigt sich, dass im Architekturmodell mit 5–8 Attributen pro Modellelement schon ein sehr hoher Informationsgehalt erreicht werden kann. Die Attribute sollten im Architekturmodell nicht zu disziplinenspezifisch sein. Mehrfach verwendbare und allgemeingültige Attribute sind zu bevorzugen. Diese können vom Adressaten, meist in Kombination mit vordefinierten Regelsätzen, mit seiner eigenen BIM-Software ausgewertet werden. Regeln sind der Schlüssel, um aus mehrfach verwendbaren Attributen die richtigen Informationen zu ziehen. Zum Beispiel ermöglicht bei einer Wand das Zuweisen des Attributes „tragend“ in Kombination mit Regelsätzen mehrere Schlüsse zu ziehen.

Für die Ermittlung der Grauen Energie erlaubt die Information „tragend“ in Zusammenhang mit einem Regelsatz, basierend auf dem Merkblatt SIA 2032, die korrekte Zuweisung einer Amortisationszeit von 60 Jahren (tragend -> eBKP-H Hauptgruppe C -> 60 Jahre Amortisationszeit). Mit dem zusätzlichen Attribut „Teil der Gebäudehülle: wahr“ erkennt die BIM-Software des Energieingenieurs aber auch, dass es sich um eine Wand als Teil des Dämmperimeters handelt. Verwendet er anschliessend einen passenden Defaultwert für den U-Wert der Aussenwände, ist eine rasche Ermittlung des Heizwärmebedarfes möglich.

Der Informationsumfang von Modellelementen ist bewusst zu steuern. Weniger ist oft mehr. Es gilt der Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Folgende Attribute haben sich bei den Architekturmodellen als zweckmässig erwiesen:

  • Klasse Modellelement: z.B. Wand
  • Name: z.B. Wand 01
  • Typ: Tragend250_AWD200
  • Tragend: wahr/falsch
  • Lage: innen/aussen
  • Teil der Gebäudehülle: wahr/falsch
  • Brandwiderstand: z.B. REI 60
  • eBKP: C2.1_E2.2
  • Fluchttüre: wahr/falsch
  • Fluchttreppe: wahr/falsch

Zusätzliche Informationen, die nicht Bestandteil des virtuellen Gebäudemodells sind (z.B. angestrebter Energiestandard), sind in einem separaten Projektsteckbrief festzulegen.

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