7 Integrierte Projektabwicklung

Bei heutigen Planungsprozessen sind über die Hälfte der Planungsleistungen erbracht, bis das Wissen von den ausführenden Unternehmungen in die Planung einfliesst. In klassischen Planungs- und Bauprozessen wird nach der Frage, WAS geplant wird, die Frage nach dem WIE beantwortet, und erst nach der Submission ist bekannt, WER das projektierte Werk realisiert. Der Einbezug des Wissens von ausführenden Unternehmungen erfolgt daher spät und kann ohne grössere Projektanpassungen kaum mehr berücksichtigt werden. Neue integrierte Planungsmodelle kehren den Ansatz um. Nach der Beantwortung der Frage, WAS gebaut wird, werden rasch möglichst die ausführenden Unternehmungen (WER) bestimmt. Das virtuelle Gebäudemodell mit seinen qualitativen Beschrieben ermöglicht die Submission durchzuführen, ohne die Frage nach dem WIE schon vollständig geklärt zu haben. So gelingt es zusammen mit dem Unternehmer, wesentliche Optimierungsvorschläge noch rechtzeitig einfliessen zu lassen.

Der integrierte Planungsansatz wird in den USA sowie in Australien oft mit neuen Vertragsmodellen gekoppelt. Anstatt der heute üblichen Interessengegensatz-Verträge wird ein Vertragsmodell ausgearbeitet, das die Projektorganisation zu einer Interessengemeinschaft formt. Bauherr, Planer und ausführende Unternehmer definieren zusammen die qualitativen, kostenmässigen und terminlichen Ziele. Werden diese übertroffen, profitieren alle von einem Bonus. Werden sie hingegen nicht erreicht, wird für alle ein Malus fällig. In den USA ist dieses Vertragsmodell als IPD-Modell (Integrated Project Delivery) bekannt. Es sind erste Überlegungen erkennbar, dieses Modell auch in der Schweiz anzuwenden.

Der Berufsverband SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) hat sich der Thematik angenommen. Er hat eine Kommission gebildet, welche ein eigenes Merkblatt zum Thema BIM (SIA 2051) erarbeitet. Die Veröffentlichung des Merkblattes ist für das Jahr 2015 geplant. Damit wird das digitale Planen und Bauen definitiv in das Bewusstsein der Planer und Bauherrschaften eindringen und zur Anwendung gelangen.

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